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58

Mitte 1939 schrieb Toni Roos vom Gauparteitag der NSDAP in Trier: „Gestern Abend mit Staatsrat Willi

Börger herrliches Wiedersehen nach einem Jahr gefeiert. […] Börger hat mir ein blendendes Angebot

gemacht.“ Worum es sich dabei konkret handelte, ist der Korrespondenz leider nicht zu entnehmen.

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Vonseiten der Familie von Elisabeth Roos war in dieser Hinsicht wenig zu erwarten. Angesichts der dort

in seinen Augen verbreiteten unverhältnismäßigen Sparsamkeit sprach Toni Roos in einem Brief an

Sohn Gustav am 1. Juni 1939 in Anlehnung an den Familiennamen Charles spöttisch von der „Charlittis“,

um dann – die Absichten des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und die daraus

resultierenden Zwangssterilisationen in einer für ihn wohl typischen Weise persiflierend – fortzufahren,

diese „Charlittis“ sei zwar „nicht ansteckend, aber erblich, wenn darauf Sterilisierung stünde, würde die

Familie Deiner Mutter aussterben“.

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Erschwerend kam für Günther hinzu, dass auch sein älterer Bruder Gustav nach bestandenem Abitur

im April 1939 zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht eingezogen wurde.

61

Vgl. hierzu ausführlicher den Abschnitt „Der Kinogänger“ im Kapitel „Günther Roos und die Medien

seiner Zeit“.

62

Siehe dazu den Infokasten „Dienst und Leistungsbuch“ auf S. 111.

63

Diese Äußerung erfolgte am 21. April 1987 in einem Gespräch mit Barbara Becker-Jákli.

Vgl. Becker-Jákli (wie Anm. 3), S. 175.

64

Text nach Becker-Jákli (wie Anm. 3), S. 197.

65

Die von Günther Roos zitierte, besonders blutrünstige letzte Strophe ist an anderen Stellen nicht nach-

gewiesen. Stattdessen heißt es in anderen Überlieferungen zumeist: „Hitler treu ergeben, / Treu bis in

den Tod. / Hitler wird uns führen, / einst aus dieser Not.“

66

Siehe dazu den Infokasten „Alfred Rosenberg und sein Mythus des 20. Jahrhunderts“ auf S. 185.

67

Weiter heißt es darin: „Als Urkunde über seine Wehrfähigkeit begleitet das Leistungsbuch den Hitler­

jungen von seinem Eintritt in das Deutsche Jungvolk bis zum Übertritt von der Hitlerjugend in den

Arbeitsdienst, die Wehrmacht, die SA, SS usw. […] Durch umfassende körperliche Ertüchtigung und

weltanschauliche Schulung wird der Hitlerjunge in diesem Leistungsaufbau zur vollen Wehrhaftigkeit

gebracht. Die Festlegung von Mindestleistungen auf allen Gebieten zwingt den Hitlerjungen,

Schwächen auf einzelnen Gebieten durch Arbeit an sich selbst zu beseitigen. Mit der Erfüllung der

im Leistungsbuch geforderten Bedingungen beweist der Hitlerjunge durch die Tat, dass er der Nation

gegenüber seine Pflicht tut.“

68

Westdeutscher Beobachter vom 20. August 1934. Der Reichsjugendführer hatte seinerseits dafür ge-

sorgt, dass diesem neuen, als „Dienstausweis für jeden Hitler-Jungen“ (Westdeutscher Beobachter

vom 30. August 1934, Beilage „Rheinische Hitlerjugend“) bezeichneten Leistungsbuch folgende viel­

sagende Widmung aus seiner Feder vorangestellt wurde: „Hitlerjugend! Körperliche Ertüchtigung ist

keine Privatsache des einzelnen. Die nationalsozialistische Bewegung befiehlt den ganzen Deutschen

zu ihrem Dienst. Dein Körper gehört Deiner Nation, denn ihr verdankst Du Dein Dasein. Du bist ihr für

Deinen Körper verantwortlich. Erfülle die Forderungen dieses Leistungsbuches, und Du erfüllst die

Pflicht gegen Dein deutsches Volk. Baldur von Schirach“

69

Peter Pahmeyer / Lutz van Spankeren, Die Hitler-Jugend in Lippe (1993–1939).

Totalitäre Erziehung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Bielefeld 1998, S. 139f.

70

Vgl. ebd.

71

Vorschriftenhandbuch der HJ, Bd. II, S. 643f. und 634.

72

So der der Reichsarzt der HJ, Oberbannführer Dr. Hördemann, im Januar 1939 vor Pressevertretern.

Abgedruckt im Westdeutschen Beobachter vom 18. Januar 1939.

73

Westdeutscher Beobachter vom 7. Februar 1939.

74

Brühler Zeitung vom 30. Januar 1939.

75

Brühler Zeitung vom 20. März 1940.

76

Die Darstellung folgt – ohne Einzelnachweise – der so umfangreichen wie detaillierten Studie

von Michael Buddrus, Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische

Jugendpolitik, 2 Bde., München 2003, Bd. 1, S. 195ff.

Anmerkungen

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