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Exkurs

im Juli zählte man 60, im November 1942 dann

schon 162 dieser Lager. Allein zwischen Mai 1942

und April 1943 wurden in diesen Einrichtungen mit

245 278 HJ-Angehörigen etwa 37 Prozent der An­

gehörigen des Geburtsjahrgangs 1924 ausgebildet.

Im Mai 1943 gab es bereits 194 HJ-Wehrertüchti­

gungslager, die für jeden der dreiwöchigen Durch­

gänge eine Ausbildungskapazität von 39 116 Plätzen

aufwiesen. Bis zum Dezember 1943 waren dann

bereits 226 dieser Einrichtungen in Betrieb, in denen

unter Anleitung von 3 022 Ausbildern 514 972 Hitler­

jungen und damit nunmehr 77 Prozent des Geburts­

jahrgangs 1925 auf den Kriegseinsatz vorbereitet

wurden.

Parallel wuchs der Einfluss der SS auf diese Lager.

Schon Mitte April 1942 war mit der Reichsjugend­

führung vereinbart worden, in jedem HJ-Gebiet

mindestens ein von SS-Ausbildern geführtes Wehrer­

tüchtigungslager zu installieren. Obwohl die Waffen-

SS lediglich drei Prozent der Gesamtstärke der

Wehrmacht ausmachte, konnte sie unter solchen

Prämissen bereits im November 1942 berichten,

dass ihre Ausbilder in 42 von 162 Wehrertüchti­

gungslagern das Sagen hätten. Negativ fiel aus

SS-Sicht hingegen ins Gewicht, dass sich von den

fast 27 000 Jugendlichen, die zwischen Juni und

Oktober 1942 ein von der SS betriebenes Wehrer­

tüchtigungslager durchlaufen hatten, lediglich

4 482 als SS-Bewerber gemeldet hatten, von denen

wiederum nur 2 264 tauglich waren. Das schlechte

Ergebnis führten die Verantwortlichen darauf zurück,

„dass wir bei der Reichsjugendführung bis zum

heutigen Tage nicht erreichen konnten, dass wir in

die Wehrertüchtigungslager nur Jungen bekommen,

die rassisch tauglich sind […].“

[

Ü

59]

Schutzstaffel (SS) und Waffen-SS

Zum persönlichen Schutz Adolf Hitlers bei Veranstaltungen wurden im April 1925 „Stabswachen“ eingerichtet, die

wenig später in „Schutzstaffel der NSDAP“ (SS) umbenannt wurden. Neben einer besonders engen Bindung an Hitler

unterschied sich die SS von der Massenorganisation SA durch ihr Selbstverständnis als Elitetruppe der Partei, die

die Schaffung des neuen „nationalsozialistischen Menschen“ anstrebte. Besonders prägend wirkte in dieser Hinsicht

der 1929 zum „Reichsführer SS“ (RFSS) ernannte Heinrich Himmler, der eine sorgfältige „rassische“ und politische

Auslese der SS-Mitglieder einführte.

Nach der NS-Machtübernahme stellte die SS mit ihren besonders berüchtigten „Totenkopfverbänden“ das Wach­

personal in den Konzentrationslagern. Die zunehmende Verschmelzung mit der Polizei schlug sich 1936 in der

Ernennung Himmlers zum „Reichsführer der SS und Chef der Deutschen Polizei“ (RFSSuChdDtP) nieder und mün-

dete 1939 schließlich in der Gründung des Reichsicherheitshauptamtes (RSHA) als oberster deutscher Sicherheits-

behörde unter der Leitung von Reinhard Heydrich. Im Krieg spielte die SS dann eine zentrale Rolle in allen Fragen

der Rassen-, Siedlungs- und Sicherheitspolitik, insbesondere bei der Ermordung der europäischen Juden und bei

zahllosen weiteren Verbrechen gegen Menschheit und Menschlichkeit. So wurden sämtliche Vernichtungslager unter

Regie der SS betrieben. Auch die berüchtigten „Einsatzgruppen“, die vor allem im Osten hinter den Fronten zügellos

mordeten, wurden aus den Reihen der SS und deren „Sicherheitsdienst“ gebildet.

Wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs führte Himmler im Oktober 1939 für die bewaffneten Einheiten

der SS die Bezeichnung „Waffen-SS“ ein, deren Stärke schnell wuchs und im Herbst 1944 mit über 900 000 Mann

ihren höchsten Stand erreichte. Im Gegensatz zu den Wehrmachtseinheiten waren die zumeist voll motorisierten und

daher äußerst mobilen SS-Divisionen bis Kriegsende personell und materiell bestens ausgestattet. Die Waffen-SS

agierte autonom und war der Befehlsgewalt der Wehrmacht nur in der taktischen und operativen Kriegführung unter-

stellt. Durch die Opferbereitschaft ihrer Mitglieder erwarb sich die Waffen-SS den Ruf einer todesverachtenden Elite-

truppe, die tatsächlich überproportional hohe Verluste von mehr als 300 000 ihrer Angehörigen zu beklagen hatte.

Demgegenüber stand die Vielzahl grausamster Kriegsverbrechen der SS, die deren Mitglieder vor allem – aber nicht

nur – in den besetzten Gebieten im Osten verübten.

59 Ü Impressionen aus Wehrertüchtigungslagern

1942: „Macht will ich haben! Alle sollen mich lieben oder fürchten.“

181

1942